Oststeinbeker Kulturring e.V.

Fahrradtour zur Hamburger Sternwarte in Bergedorf

Fahrradtour zur Hamburger Sternwarte in Bergedorf

ADFC meets Kulturring Oststeinbek!

Termin: Sonntag, 14. April  2024
Treff-/Startpunkt: Marktplatz Oststeinbek
Start in Oststeinbek: 12:00 Uhr
Tourleitung: Bernd Petri (ADFC)
Tourlänge: ca. 40 km (Hinfahrt ca. 20km, Fahrzeit ca. 1,5 – 2 Stunden / Rückfahrt ca. 20 km, Fahrzeit ca. 1,5 Stunden /  Durchschnittsgeschwindigkeit 15 – 18 km/h)
Ankunft in Oststeinbek: ca. 17:45
Streckenbeschaffenheit: Die Strecke ist überwiegend flach mit geringen Steigungen. Sie führt hauptsächlich über Straßen mit festem Belag, teilweise auch über Wege mit wassergebundener Decke.
Ziele: Sternwarte in Bergedorf (mit Führung und anschließendem Besuch im Café Stellar)
Teilnehmerbeitrag: EUR 12,00 (EUR 10,00 für die Führung zzgl. EUR 2,00 Teilnahmegebühr)

Verbindliche Anmeldung erforderlich bis zum: 11.04.2024
unter kontakt@oststeinbeker-kulturring.de oder unter 0151 – 232 169 76

 

Beschreibung:
Vom Marktplatz aus starten wir unsere Tour, queren die Havighorster Feldmark und durchfahren Reinbek. Weiter geht es entlang des Krähenwaldes, durch die Wentorfer Lohe bis zum Geesthang in Bergedorf. Dort genießen wir die weite Aussicht und erreichen nach kurzer Fahrt die Sternwarte.
Eine organisierte Führung beinhaltet einen Rundgang über das Sternwartengelände und eine Besichtigung der historischen Teleskopkuppeln sowie des Hauptgebäudes. Danach sind im Café Stellar Plätze für uns reserviert. Gut gestärkt mit Kaffee und
Kuchen treten wir den Rückweg nach Oststeinbek an.
Für die Teilnahme an der Führung entstehen Kosten und eine vorherige Anmeldung beim Oststeinbeker Kulturring ist daher erforderlich.

Über die Sternwarte

1912 wurde die Sternwarte in Hamburg-Bergedorf als Forschungseinrichtung eröffnet und ist damit sogar älter als die Universität Hamburg. Sie war einst ein Observatorium von Weltrang. Der in einem Parkgelände auf dem Gojenberg gelegene Gebäudekomplex ist auch heute noch ein beliebtes Ausflugsziel.

Bei seiner Einweihung galt das Astro-Observatorium als das modernste und größte Europas. Trotzdem ist es heute selbst vielen Hamburgern kein Begriff und steht – wenn es um den Blick in die Fernen des Weltalls geht – deutlich im Schatten des Planetariums. Dabei ist eine Sternwarte etwas ganz anders als ein Planetarium. Als Planetarium bezeichnete man ursprünglich ein mechanisches Modell, das die Darstellung von Gestirne und Planeten ermöglicht. Heute denken wir dabei an einen speziellen Projektor gemeint, der den Sternenhimmel und andere Himmelskörper auf die Innenseite einer halbkugelförmigen, mit Leinwand bespannten Kuppel projiziert. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird auch das markante Gebäude im Stadtpark als Planetarium bezeichnet. Eine Sternwarte ermöglicht es dagegen, mit Hilfe von Fernrohren oder Teleskopen einen direkten Blick in das Weltall zu tätigen. Auch in der Bergedorfer Sternwarte sind bis heute einige Teleskope voll funktionsfähig und können auch von Besuchern auf Führungen besichtigt werden.

Die Sternwarte in Bergedorf ist ein bedeutendes Kulturdenkmal, dessen technische Anlagen noch original erhalten sind und vielfach noch voll funktionsfähig sind. Die Stadt Hamburg hat daher beschlossen, sich mit der Sternwarte für die deutsche Vorschlagsliste für den Titel des UNESCO-Welterbes zu bewerben. Ab 2025 könnte die Sternwarte in Bergedorf dann offiziell einen Antrag auf Eintragung in die Welterbeliste stellen.

Die Anfänge der Hamburger Sternwarte gehen ins frühe 19. Jahrhundert zurück. Bereits 1802 gründete der Feinmechaniker Johann Georg Repsold ein kleines privates Institut auf dem Stintfang über dem Hafen, das aber unter der napoleonischen Besatzung wieder aufgelöst wurde. 1825 konnte das Observatorium am Millerntor wiedereröffnet werden und wurde schließlich 1833 vom Hamburger Senat übernommen. Doch der Standort im Herzen der Stadt entwickelte sich nach und nach als ungeeignet für die Sternenforscher. In der stetig wachsenden Metropole Hamburg wurde die Luft immer schmutziger und elektrisches Licht erhellte die Nächte … und beeinträchtigte die Arbeitsbedingungen für die Astronomen.

So wurde schließlich eine Umsiedlung nach Bergedorf vorgenommen und so stand ab 1912 in Hamburg eine der größten und bedeutendsten Sternwarten Europas. Dies war auch für Hamburg als Hafenstadt von großer Bedeutung, da die Schiffskapitäne bei der Navigation noch auf Sternenkarten und die genaue Uhrzeit angewiesen waren. Eine weitere Hauptaufgabe der Sternwarte war nämlich auch die Zeitmessung. Auf Grundlage von Himmelsbeobachtungen konnten die Bergedorfer Astronomen die Uhrzeit schon vor mehr als 100 Jahren auf die Zehntelsekunde genau bestimmen. Große Berühmtheit erlangten auch die Bergedorfer Sternenkataloge, die von dem Institut bis in die 1960er-Jahre erstellt wurden.

Hamburgs Astronomen erforschten auch die physikalischen Eigenschaften der Sterne sowie die Sternverteilung in der Milchstraße und in anderen Galaxien. Der Optiker Bernhard Schmidt entwickelte 1930 in Bergedorf zudem das bahnbrechende Schmidt-Spiegelteleskop für die Himmelsfotografie. Das war damals für die Astronomen eine Weltsensation.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die Sternenforscher auch für militärische Aufgaben eingespannt, stellten unter anderem aerodynamische Berechnungen für den Flugzeugbau an und beobachteten die Sonnenfleckentätigkeit, um Störungen der Kurzwellen-Übertragungen voraussagen zu können. Die Sternwarte blieb im Krieg nahezu unbeschädigt und konnte bereits Anfang der 50er-Jahre wieder den Forschungsbetrieb aufnehmen.

An den Wochenenden kann auch das Gelände der Sternwarte auf Führungen besucht werden. Auf dem parkähnlichen Gelände befinden sich neben mehreren neobarocken Kuppelbauten mit Teleskopen auch Werkstätten, Wohngebäude für die damaligen Mitarbeiter, Laborgebäude und eine Direktorenvilla. In dem ehemaligen Hauptdienstgebäude befindet sich eine Bibliothek mit bedeutenden historischen Büchern. Das markanteste Gebäude ist der Kuppelbau mit dem sog. „Großen Refraktor“. Damit bezeichnet man ein historisches Teleskop aus dem Jahr 1911, das als eines der größten Linsenteleskope in Deutschland gilt und große Bedeutung in der Wissenschaftsgeschichte hat. Das Objektiv hat einen Durchmesser von 60 Zentimetern und neun Meter Brennweite.

Die Kuppelbauten und viele historische Gebäude können auf Führungen über das Gelände der Sternwarte besichtigt werden. Auch an ein einem Teil der Teleskope kann man im Winterhalbjahr jeweils am ersten Mittwochabend im Monat die Sterne beobachten. Aber auch ohne Führung ist ein Spaziergang durch die Parkanlage zu empfehlen, die an den Wochenenden zugänglich ist. Dabei zeigt ein Planetenweg sehr anschaulich die Dimensionen der einzelnen Planeten und ihrer Abstände innerhalb unseres Sonnensystems.

Die große Zeit der Hamburger Sternwarte ist heute längst vorbei. An anderen Standorten auf der Welt sind die Sterne viel besser zu beobachten als am oft bewölkten Hamburger Himmel. Die modernen Observatorien findet man heute in der chilenischen Atacama-Wüste oder auf dem Calar Alto in Südspanien. Und so betreibt man in dem Bergedorfer Institut, das seit 1968 zum Fachbereich Physik der Universität Hamburg gehört, hauptsächlich  Grundlagenforschung auf den Gebieten Kosmologie, Quasare und Stellarphysik.

(Fotos: Doris Graff)

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